„Welttag der Logik“ – ein Tag im Zeichen des logischen Denkens
In unserer neuen Blogreihe „Retrodigitalisierung – vom Papier zum Pixel“ zeigen wir, wie die TIB durch die Digitalisierung ihrer analogen Bestände wissenschaftliche Schätze sichert und weltweit zugänglich macht. Dabei geben wir auch Einblicke in die technischen und rechtlichen Prozesse moderner Retrodigitalisierung. Im ersten Beitrag stehen anlässlich des Welttages der Logik die Werke großer Logikerinnen und Logiker des 19. und 20. Jahrhunderts im Fokus, die die TIB aus ihrem Bestand schon digitalisiert hat.
Am 14. Januar ist der „Welttag der Logik“ (engl. „World Logic Day“), der ganz im Zeichen des logischen Denkens steht. Die Entstehungsgeschichte dieses Tages, der 2018 zum ersten Mal begangen wurde, geht auf die Logica Universalis Association (LUA) zurück, deren Hauptquartier sich nach eigenen Aussagen auf ihrer Homepage in dem nach George Boole (englischer Mathematiker, Logiker und Philosoph, 1815–1864) benannten Mondkrater 63.7°N 87.4°W befindet. Die LUA versteht sich als Vereinigung, die die weltweite Förderung der Logik vorantreiben möchte.
Ein Offizieller UNESCO-Welttag
Am 14. Oktober 2019 fand mit circa 60 unabhängigen Veranstaltungen verschiedener Organisationen und Partner:innen der erste „World Logic Day“ in 33 Ländern statt. Die Organisatoren schlugen der UNESCO (United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization) aufgrund der erfolgreichen Durchführung der ersten Veranstaltung den 14. Januar als zukünftigen Welttag der Logik vor. Dies wurde am 19. November 2019 in Paris positiv entschieden. Damit trägt dieser Ehrentag den Status eines offiziellen UNESCO-Welttags.
Werke berühmter Logiker:innen im TIB-Bestand
Diesen Tag haben wir uns in der Retrodigitalisierung der TIB zum Anlass genommen, zu schauen, welche Werke berühmter Logikerinnen und Logiker des 19. und 20. Jahrhunderts sich in unserem Bestand befinden und bereits digitalisiert wurden. Als deutsche zentrale Fachbibliothek für Technik sowie Architektur, Chemie, Informatik, Mathematik und Physik sind wir natürlich fündig geworden und wollen hier auf einige interessante Digitalisate, die wissenschaftlich von großer Bedeutung sind, aufmerksam machen.
An unserem TIB-Standort in Rethen scannt das Team Retrodigitalisierung ausgewählte Sammlungen aus dem Altbestand der TIB, der überwiegend aus dem 19. und dem frühen 20. Jahrhundert stammt. Wir stellen die sogenannten Digitalisate online zur Verfügung, sofern sie urheberrechtsfrei sind (Verfasser:in mindestens 70 Jahre verstorben) oder wir die Genehmigung für eine Veröffentlichung erhalten haben. Unsere Digitalisate sind über unseren Viewer zu finden. Hier kann man thematisch oder gezielt nach digitalisierten Werken suchen.
Georg Wilhelm Friedrich Hegel
Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Lithografie von Ludwig Sebbers
Der bedeutendste Logiker des 18. Jahrhunderts war Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770–1831). Sein philosophisches Werk zählt zu den wichtigsten Werken der neueren Philosophiegeschichte und gliedert sich in „Logik“, „Naturphilosophie“ und „Philosophie des Geistes“.
Alle 15 Bände in 2. Auflage von 1840–1847 des Titels „Georg Wilhelm Friedrich Hegel‘s Werke: vollständige Ausgabe durch einen Verein von Freunden des Verewigten“ finden sich in unserem Viewer.
Die Bände 3 bis 5 haben den Gesamttitel „Georg Wilhelm Friedrich Hegel‘s Wissenschaft der Logik“ von 1841:
George Boole
Natürlich darf oben genannter George Boole (1815–1864) nicht fehlen. Die für die Computertechnik grundlegende nach ihm benannte Boolesche Algebra. Durch seine Arbeiten wurde die Logik in die Mathematik integriert. Folgende Bücher wurden digitalisiert:
Ernst Schröder
Ernst Schröder (1841–1902) war deutscher Mathematiker und Logiker. Er hat mit den folgenden Werken eine der Grundlagen für die begriffliche Wissensverarbeitung geschaffen:
„Vorlesungen über die Algebra der Logik (Exakte Logik)“:
„Abriss der Algebra der Logik“:
Gottlob Frege
Gottlob Frege (1878)
Als größter Logiker des 19. Jahrhunderts wird immer wieder Gottlob Frege (1848–1925) genannt. Er war Mathematiker, Logiker und Philosoph. Als erster hat er eine formale Sprache und damit zusammenhängend formale Beweise entwickelt. Damit schuf er eine wesentliche Grundlage für die heutige Computertechnik und Informatik.
„Grundgesetze der Arithmetik“:
Bedeutende Logikerinnen des 18. und 19. Jahrhunderts
Dissertation von Emmy Noether
Es gab auch im 18. und 19. Jahrhundert Logikerinnen, die bedeutende Fortschritte in der Logik hervorgebracht haben. Jedoch wurde wie bei so vielen anderen Wissenschaftlerinnen auch die Arbeit der Logikerinnen entweder nicht veröffentlicht oder ihren männlichen Kollegen zugeschrieben. Das Fehlen von Namen prominenter Logikerinnen ist auf die damalige soziale und wissenschaftliche Situation zurückzuführen und nicht auf einen Mangel an Fähigkeiten der Frauen. Mangelnde Anerkennung und systematische Ausgrenzungen waren die übliche Behandlung für Frauen in der Wissenschaft.
Das spiegelt sich auch in den Veröffentlichungen der jeweiligen Zeit und somit auch im Bestand der TIB zum Thema Logik wider. Man muss schon ziemlich suchen, um Werke berühmter Logikerinnen zu finden.
Einige wichtige Forscherinnen haben wir jedoch in unserem Bestand entdeckt und zum Teil speziell für den Welt Logik Tag digitalisiert.
Sophie Germain
Sophie Germain (1776–1831) war eine französische Mathematikerin, die für ihre Forschung in der Zahlentheorie, der Elastizitätstheorie und für die Entdeckung der Sophie-Germain-Primzahlen bekannt wurde. Ihr Buch „Recherches sur la théorie des surfaces élastiques“ erschien 1821.
Christine Ladd-Franklin
Von der bedeutenden US-amerikanischen Mathematikerin Christine Ladd-Franklin (1847–1930) befindet sich leider kein Werk im Bestand der TIB. Sie arbeitete im Bereich der symbolischen Logik. Sie war die erste Frau in den USA, die 1883 alle formalen Voraussetzungen für eine Promotion in Mathematik erlangte. Ihre Dissertation wurde formal erst 1926 (also 43 Jahre später) anerkannt.
Sofja Kowalewskaja
Sofja Kowalewskaja (1850–1891), russische Mathematikerin, taucht zumindest als Verfasserin von Zusatztexten in „Theorie der partiellen Differentialgleichungen erster Ordnung“ von 1892 auf.
Porträt von Emmy Noether, vor 1910
Emmy Noether
Emmy Noether (1882–1935) gilt als eine der wichtigsten Mathematikerinnen des 20. Jahrhunderts und ist eine Schlüsselfigur der modernen Algebra.
Drei Bände der von ihr mitherausgegebenen „Gesammelte mathematische Werke“ wurden bereits digitalisiert:
Band 1 von 1930
Band 2 von 1931
Band 3 von 1932
Ihre Dissertation aus dem Jahr 1908 „Über die Bildung des Formensystems der ternären biquadratischen Form“ ist ebenfalls zu finden.
Susan Stebbing
Susan Stebbing (1885–1943) war eine britische Philosophin. Sie war die Gründerin der Zeitschrift „Analysis“. Ihr Buch von 1939 „Thinking to some purpose” haben wir herausgesucht und digitalisiert.
Sie wollen mehr über interessante Digitalisate der Retrodigitalisierung der TIB erfahren? Dann folgen Sie uns einfach auf Mastoton sowie Instagram und schauen Sie regelmäßig hier im TIB-Blog vorbei! Hier planen wir monatlich entweder zu einem bestimmten Thema oder einfach besonders spannende Werke, die wir online gestellt haben, vorzustellen.
Retrodigitalisierung – vom Papier zum Pixel
Viele wissenschaftliche Schätze schlummern in den analogen Beständen der TIB – meist schwer zugänglich und oft nur vor Ort nutzbar. Dank Retrodigitalisierung ändert sich das: Durch die Digitalisierung werden gedruckte Bücher, Karten und weitere analoge Materialien gesichert und historisches Wissen sichtbar, durchsuchbar und nachhaltig verfügbar gemacht.
In der Blogreihe „Retrodigitalisierung – vom Papier zum Pixel“ zeigt die TIB Schätze, die nun nicht mehr nur in den Regalen der Bibliothek stehen, sondern online von überall auf der Welt angesehen werden können. Auch einen Blick hinter die Kulissen der Retrodigitalisierung wird es geben: Wie werden aus analogen Beständen digitale Ressourcen? Welche technischen und rechtlichen Herausforderungen gibt es dabei? Von der Auswahl der Materialien über Scanprozesse bis zur Langzeitarchivierung – die Reihe beleuchtet Retrodigitalisierung als eine wichtige Aufgabe moderner Bibliotheken.
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