Kampf um den Mond
Die deutschen ESA-Astronauten Alexander Gerst oder Matthias Maurer könnten als erste Europäer Richtung Mond fliegen – allerdings nur einer von beiden. Im Rahmen des Artemis-Programms der US-Raumfahrtbehörde Nasa darf ein Deutscher in einigen Jahren den Mond umrunden, wie die europäische Weltraumagentur ESA mitteilte. Wenn es denn so kommt.
Ein Blick zurück — und nach vorn
Nun also die Konkurrenz: Wer darf fliegen? Gerst oder Maurer, oder doch eine eher unbekannte Frau, pardon AstronautIN? Lange Jahrzehnte herrschte Ruhe um menschliche Besuche auf unserem Erdtrabanten. Weil Mondlandungen – auch in Hinblick auf weitere Reisen, zum Mars – wieder in den Fokus gerückt sind, soll der Mond wieder Besuch kriegen.
Manche finden das Zeitverschwendung: Pionier auf vielen Gebieten Elon Musk, und der derzeitige Präsident der USA, Donald Trump, würden diese Zwischenstation gerne einsparen und gleich zum Mars hechten. Großes Risiko; die Europäer finden den langsameren Weg mit schnelleren Heimkehrmöglichkeiten bei unerwarteten Problemen für sicherer.
Wir werden sehen, wer sich durchsetzt.
Die Europäer setzen alles daran, von den oft wechselnden Entscheidungen der NASA unabhängig(-er) zu werden. Allerdings ist die Raumfahrt ein kostspieliges Unterfangen, bei dem zahlungskräftige Partner durchaus wünschenswert sind.
Das Thema Menschen zum Mond und war und ist spannend. Genauer untersucht hat dies Christoph Seidler in seinem Buch: Armstrongs Erben. Er beschreibt in lockerer Form (Geschichte lesenswert und flüssig erzählt!) wie der Beginn des Duells zwischen der UDSSR und den USA um den „First“ war und fügt dabei auch weniger bekannte Fakten ein.
Wer wusste beispielsweise, dass Juri Gagarin, der gefeierte sowjetische Held, eigentlich gar keinen offiziellen Rekord als erster Mensch im „All“, aka der Erdumrundung, erlangte? Denn genau besehen schreiben die Satzungen der FAI, der Internationalen Raumfahrtbehörde in Paris, eine Landung im gleichen Gerät vor, in dem gestartet worden war. Gagarin musste also lügen und sein Rauschleudern aus der Kapsel vor der Landung und die Landung am Fallschirm der Öffentlichkeit verschweigen. Wie auch sonst so einiges, das bei seinem Flug nicht erwartungsgemäß passierte. Aber das ist das Risiko bei einem derartigen „First“. Seine Leistung bleibt ungeschmälert, auch wenn vieles die Öffentlichkeit nicht wissen durfte.
Jetzt kann man aber dies und noch viel mehr in Seidlers Buch nachlesen. Also auch für diejenigen, die damals schon die historischen ersten Reisen zum Mond erlebt hatten, gibt es Neues zu entdecken.
Armstrongs Erben beginnt mit der Geschichte der Mondfahrt: Der Autor führt mit vielen Details durch die ersten Mondmissionen, von den frühen sowjetischen Sonden bis zum legendären historischen Wettlauf der Supermächte.
Dabei wird deutlich: Der Mond war einst Bühne für ein geopolitisches Kräftemessen, ein Symbol für Ruhm, Technikglanz und Ideale. Dieser Rückblick dient als Grundlage, um die aktuelle Rückkehr zum Mond verständlich zu machen.
Doch Seidler will nicht bei Nostalgie verharren. Er zeigt, wie sich die Voraussetzungen — technologisch, politisch, wirtschaftlich — verändert haben und wie der Mond heute zur Arena für neue Ambitionen wird. Staaten wie die USA und China rüsten auf, internationale Allianzen formieren sich, und private Unternehmen spielen eine größere Rolle als je zuvor.
Zwischen Wissenschaft, Vision und Realität
Im Mittelteil beschreibt Seidler mit Sachverstand und detailreicher Klarheit, wie Reisen zum Mond heute wieder konkreter werden: welche Raketen im Einsatz sind oder mit welchen technischen Mitteln man eine dauerhafte Präsenz auf dem Mond plant. Und natürlich die Herausforderungen, die dabei gemeistert werden müssen — von der Energieversorgung, über den Schutz vor Strahlung bis zur Nahrung und der Unterkunft auf dem Mond.
Es entsteht ein faszinierendes Bild davon, wie nahe die Vision Mondbasis heute ist – und wie unversöhnlich der Mond zugleich bleibt.
Armstrongs Erben ist auch eine Gedankenreise in die Zukunft der Menschheit. Welche Rolle spielt der Mond dabei? Welche Hoffnungen und Träume verbinden wir mit ihm und welche politischen, rechtlichen und wirtschaftlichen Fragen wirft das auf?
Der Autor räumt mit der romantischen Vorstellung eines „zweiten Zuhauses“ auf und verweist vielmehr darauf, dass der Mond zu einem strategischen Ort mit globaler Bedeutung werden könnte.
Sprache und kritische Einbettung
Seidler schreibt sachlich, kenntnisreich und auch mit spürbarer Begeisterung für das Thema. Ihm gelingt, komplexe technische und juristische Zusammenhänge verständlich zu schreiben, ohne den Leser zu überfordern.
Für wen dieses Buch geeignet ist
o Armstrongs Erben richtet sich gleichermaßen an Raumfahrt-Interessierte wie an Leserinnen und Leser mit allgemeinem Interesse an Zukunftsfragen, Politik und Wissenschaft.
o Wer verstehen möchte, was der Mond heute für uns bedeutet — als Symbol, als Ressource, als Schritt in eine neue Ära —, wird durch dieses Buch gut begleitet.
o Lesenswert aber auch für Menschen, die sich fragen, wie unsere Zukunft aussehen könnte, wenn der Weltraum wieder in den Fokus rückt.
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(wird ergänzt; auch mit Links; sobald der Beitrag veröffentlicht ist)
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