Die Fallen des Agendasetting
Einige Fragen zur Medienkompetenz derer, die das heute beruflich machen
mit Update âHausaufgabeâ
Jeden Sonntag Ă€rgere ich mich aufs Neue, dass das Radioprogramm meiner Wahl in seinen Nachrichten das Agendasetting des zwischen CDU und AfD sich positionierenden Springerkonzerns ĂŒbernimmt. Vermutlich, weil sie wie immer dpa-Meldungen vorlesen. Dabei können sie auch anders. Marc Mölders: âDie Weltverbesserer: Wie Organisationen um die Lösung groĂer Krisen konkurrieren â Die Welt ist voller Krisen und Probleme. Zugleich gibt es zahlreiche Organisationen, die sich als Problemlöser prĂ€sentieren. Sie alle konkurrieren um Aufmerksamkeit, Ressourcen und politische Energie. Aber was tun die genau?â Sehr interessant. Einerseits.
Was dieser Autor in seinem Gesamtschau-Versuch beschreibt, das deklinierte soeben hier bei uns Stefan Streit an einem konkreten Fall durch.
Was bei Mölders noch kompliziert und unĂŒbersichtich wirkt, liesse sich an einer konkreten Frage sortieren, von der ich mich wundere, dass er sie nicht selbst stellt:
Welches ökonomische Interesse treibt welches Agendasetting/Denkpanzer/âIdeenunternehmenâ etc. an?
Mann und Frau nennt es âMaterialismusâ. Viele der von Mölders gelisteten Organisationen versuchen die Antwort auf diese Frage zu verschleiern. Eine grosse Mehrheit der Medien verzichtet auf die MĂŒhseligkeit, sie zu recherchieren. Warum dieser Verzicht? Weil es dem ökonomischen Interesse ihrer Besitzer*innen/MilliardĂ€r*inn*e*n entspricht. Ăbrigens auch, wenn darauf mal nicht verzichtet wird âŠ
Vieles ist am Ende âeinfacherâ, als man/frau denkt. Die Schwierigkeit, die bei Mölders immerhin anklingt, ist, aus dieser Erkenntnis politische Strategie und Wirksamkeit zu entwickeln. In einer Demokratie ist das die vornehmste â und verfassungsrechtlich abgesicherte â Aufgabe der Parteien.
Und die? Siehe Stefan Streit. DĂ€.
Update âHausaufgabeâ
Die SĂŒddeutsche Zeitung meldet heute vor ihrer allgegenwĂ€rtigen Paywall: âSturm in Italien: Ausgerechnet die Populistin Meloni, so weit weg vom Volk â SĂŒditalien erlebt einen verheerenden Zyklon â und die MinisterprĂ€sidentin schaut nur kurz im Helikopter vorbei. Der Bevölkerung gefĂ€llt das gar nicht.â Von den katastrophalen SturmschĂ€den in Sizilien habe ich in Beuel bei meinem italienischen Gastwirt erfahren. Glatte drei Tage vor der Tagesschau (ab Minute 11). Die, bzw. das Kamerateam, dem sie das abgekauft hat, flog im gleichen Hubschrauber wie Signora Meloni. Warum wohl?
Wenn Sie diese Aufgabe gelöst haben, steigere ich den Schwierigkeitsgrad wie folgt:
KĂŒrzlich war Bundeskanzler Merz auf Staatsbesuch bei seinem Gesinnungsfreund Narendra Modi. Sein Flieger war mit âHauptstadtjournalist*inn*enâ gefĂŒllt, die das als Privileg empfinden, weil das Rumsitzen auf der âHauptstadttoiletteâ (zit. Friedrich Nowottny) ihnen auf die Dauer zu langweilig ist. Mir persönlich geht es so, dass ich von Extradienst-Autor Gilbert Kolonko, der mir ĂŒbrigens seine Texte komplett unentgeltlich aus reiner Sympathie liefert, mehr ĂŒber das grösste Land der Welt erfahre, als aus allen anderen deutschen Medien zusammen.
Ist das eine persönliche Macke von mir? Oder geht das auch Anderen so?
Ich erfahre ĂŒbrigens in einem Beueler Edeka (oder wahlweise einer Fussballkneipe) von landesweit geplanten Anti-Trump-Demos in den USA zwischen einer Woche und einem Monat frĂŒher, als die oben zitierte, digital vermauerte und nicht ganz billige SĂŒddeutsche Zeitung. Warum wohl?