Der Krieg der autoritÀren Tech-Oligarchie gegen die Medien hat eine neue Stufe erreicht:
Palantir klagt gegen uns. Uns, die Republik.
Ein kleines unabhĂ€ngiges Schweizer Medienhaus, finanziert von Leser:innen, werbefrei, online gegangen im Jahr 2018. Mir ist kein anderes Medienhaus bekannt global, gegen das Palantir aktuell so schweres GeschĂŒtz auffĂ€hrt.
Worum geht es? Gemeinsam mit meinen grossartigen Kolleg:innen des WAV Recherchekollektiv Jenny Steiner, Lorenz Naegeli, Marguerite Meyer und Balz Oertli haben wir am 8. und 9. Dezember eine zweiteilige Serie ĂŒber das Wirken von Palantir in der Schweiz veröffentlicht.
Wir konnten anhand eines umfangreichen Dokumentenkorpus â das wir dank des Ăffentlichkeitsgesetzes erhalten haben - eine 7-jĂ€hrige Verkaufskampagne nachzeichnen. Palantir versuchte bei vielen Bundesbehörden reinzukommen- und blitzte ĂŒberall ab.
Und wir fanden zudem heraus: der Schweizer Armeestab evaluierte das Unternehmen und seine Produkte- und kam zum Schluss: die Armee solle auf Palantir-Produkte verzichten. Sie befĂŒrchteten unter anderem Datenweitergabe an die US-Behörden.
Und: zu gross seien auch die Reputationsrisiken.
Palantir ist nicht einfach irgendeine Firma. Die ICE-Agenten machen dank der Produkte Jagd auf Migrant:innen in den USA. Die israelische Armee IDF verwendet die Produkte in ihrer Gaza-Offensive. Die britische Gesundheitsbehörde NHS hat sich wĂ€hrend der Pandemie von den Produkten fĂŒr die Datenanalyse abhĂ€ngig gemacht. Und CEO Alex Karp legt eine menschenverachtend-aggressive Rhetorik fĂŒr Europa an den Tag, wĂ€hrend das Unternehmen selbst mit der âOptimierung der Kill-Chainâ wirbt.
Das sind alles Fakten, mehrfach geprĂŒft und publiziert von renommierten Medien. Unsere Recherche mit Bezug zur Schweiz und ZĂŒrich baut darauf auf. Nebst der Dokumentenanalyse sprachen wir auch mit verschiedenen Quellen â sowie mit Palantir-Kadern hier in ZĂŒrich. Ihre verwendeten Zitate wurden ihnen vorgelegt und abgesegnet. SelbstverstĂ€ndlich hielten wir uns stets an die hohen Standards fĂŒr journalistische Arbeit. Vor Publikation haben wir einen grĂŒndlichen Faktencheck gemacht.
Doch das Unternehmen will nicht, dass wir die Wahrheit schreiben.
Nachdem uns das US-Unternehmen vom rechten Tech-MilliardĂ€r #PeterThiel einen absurden Blogbeitrag widmete und darin einige Desinformation behauptete (etwa dass sie sich bei der Bundesverwaltung nicht bei offiziellen Ausschreibungen beteiligt hĂ€tten. Ein Punkt den wir niemals behauptet haben. Sondern im Gegenteil: wir haben von Anfang an von Anbandelungsversuchen, VerkaufsgesprĂ€chen, informellen Treffen gesprochen, Business as usual gesprochen), nachdem der Global Director of Privacy & Civil Liberties (PCL) Engineering und Kontaktperson fĂŒr Schweizer Medien Courtney Bowman in LinkedIn-Kommentaren persönliche Angriffe gegen uns lancierte zwischen Weihnachten und Neujahr (âpartisan fear-mongeringâ), verlangten die Schweizer AnwĂ€lte von Palantir am 29. Dezember eine Gegendarstellung.
Wir lehnten diese vollumfÀnglich ab.
Im Januar forderten sie nochmals dasselbe. Wir lehnten nochmals ab.
Und dann kam die Klage.
Doch warum das Ganze?
Unsere Recherche zum Schweizer Armeereport warf international hohe Wellen. Der "Guardian" und auch der österreichische Standard haben die Ablehnung durch die Schweizer Armee thematisiert. Zahlreiche Finanzportale und Börsenmagazine haben unsere News aufgenommen (was fĂŒr das ĂŒberbewertete Börsenunternehmen Palantir Konsequenzen haben könnte).
Und die Sprecherin des Chaos Computer Club Constanze Kurz hat unsere Recherche beim renommierten IT-Konferenz Chaos Communication Kongress Ende Dezember im Hamburg vor einem riesigen Publikum prĂ€sentiert. NatĂŒrlich nicht ohne Seitenhiebe gegen die deutschen BundeslĂ€nder, die fleissig bei Palantir einkaufen.
All das macht Palantir nervös.
Wir haben nun eine umfangreiche Verteidigungsschrift eingereicht. Wir können alle Befunde anhand von mehreren Dokumenten belegen und auch anhand von öffentlich verfĂŒgbaren Medienberichten. Wir haben Zitate von unseren GesprĂ€chspartnern bei Palantir vorgelegt. Die Evidenz zu den AktivitĂ€ten von Palantir ist riesig.
Wir vertrauen auf die Rechtsstaatlichkeit und die Pressefreiheit dieses Landes.
Passend zum gestrigen Anlass âZĂŒrich, little Big Tech Cityâ in der Gessneralle wo wir diese News exklusiv zuerst dem Publikum vor Ort verkĂŒndet haben:
In ZĂŒrich wird demĂ€chst gerade Weltpolitik verhandelt: Pressefreiheit, die Fakten ĂŒber ICE, Trump, Israel, Karp, Tech-Autoritarismus.
Die Wahrheit.
All dies am ZĂŒrcher Handelsgericht.
Wir lassen uns nicht einschĂŒchtern. Und halten euch auf dem Laufenden.